Pieper fordert Bundeslösung - Widerstand aus den Ländern - Regionale Kooperationen möglich

FDP-Bildungsexpertin Cornelia Pieper ist eindeutig. Bemühungen verschiedener Länder, gemeinsam ein Zentralabitur einzurichten, seien "lächerlich. Wir sind ein Land. Deswegen werbe ich für eine nationale Bildungsstrategie, bei der sich Bund und Länder an einen Tisch setzen."
In 14 von 16 Bundesländern gibt es landesweit identische Abiturprüfungen am selben Tag. Nur Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein kennen kein Zentralabitur. Berlin und Brandenburg haben nun beschlossen, ab 2010 ein gemeinsames Zentralabitur einzurichten. Bayerns Kulturminister Siegfried Schneider (CSU) hat zudem ein "Südabitur" mit Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen ins Gespräch gebracht. Die Dinge sind also im Fluss.
Eigentlich zuständig ist die Kultusministerkonferenz (KMK). Dort sind die Kultusminister und -senatoren aller 16 Bundesländer versammelt. Pieper moniert aber: "Das Schneckentempo der KMK wird uns im internationalen Wettbewerb nicht helfen." Man benötige eine nationale Übereinkunft. "Wer es mit der Chancengerechtigkeit im Bundesgebiet ernst meint, der muss für vergleichbare Schulabschlüsse sorgen. Kinder in Ländern, die nicht so hohe Bildungsstandards haben, werden benachteiligt, weil sie nicht die Chance auf ein gleichwertig gutes Abitur haben."
Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) hält allerdings nichts von zentralistischen Lösungen. "Das wird nicht die Akzeptanz in den Ländern finden." Er plädiert deshalb für einzelne Länder-Verbünde. Diese könnten sich später zu größeren Verbünden und schließlich zu einem Gesamt-Verbund zusammenfinden. Bedingung bleibe ein einheitlicher Termin. "Wenn die Prüfungen nicht an einem Tag stattfinden, dann stimmen sich die jungen Leute mit ihren Handys schneller ab, als die Kultusminister dazu je in der Lage waren."
Die KMK-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte der MZ: "Die KMK hat sich im vergangenen Jahr auf die Einführung verbindlicher Bildungsstandards für eine Reihe von Fächern im Abitur verständigt. Aus diesen gemeinsamen Standards kann auch ein gemeinsamer Aufgaben-Pool für Abituraufgaben entstehen. Es ist die freie Entscheidung von Ländern, ob sie sich eines solchen Pools bedienen oder nicht." Gleiche Standards werden in Deutsch, Mathematik, der ersten Fremdsprache und den Naturwissenschaften angestrebt.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung 17. März 2008