Bildung ist der Rohstoff der Zukunft. Trotzdem wird in Deutschland in der Bildung immer noch über „alte Zöpfe“ diskutiert. Es geht mehr um die Anzahl von Unterrichtsstunden und Strukturdebatten und zu wenig um Verbesserung von Bildungsqualität an Schulen. Die aktuellen Debatten zeigen es. So wird über weniger Unterrichtsstunden in der Mittelstufe bzw. die Verkürzung von Ferien diskutiert. Schnell fühlt man sich an die alten Debatten der Kultusministerkonferenz erinnert, das Abitur kann nur nach 12 Jahren und nicht nach 13 Jahren abgelegt werden, wenn jährlich 265 Stunden in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet werden.
Diese Debatten sind von gestern. Längst sind neue inhaltliche Prioritätensetzungen und neue Unterrichtsmethoden gefragt. Hinzu kommt, dass die Bildungs- und Gehirnforschung seit langem fordert, Kinder bereits im Vorschulalter in Kinderbetreuungseinrichtungen zu bilden. Nie wieder lernt der Mensch so intensiv und schnell wie bis zum 6.Lebensjahr.So ist längst nachgewiesen: Kinder, die keine Vorschuleinrichtung besuchen, hinken mindestens ein Jahr in ihrer Entwicklung hinterher.
Eine nationale Bildungsstrategie ist in Deutschland längst überfällig. Internationalität und Globalisierung erfordern von jungen Menschen mehr Mobilität, ziehen aber auch die Anerkennung von Schul- Studienabschlüssen nach sich. Wenn wir in Deutschland ein modernes und qualitativ besseres Bildungssystem wollen, müssen wir den Wettbewerb nicht nur zwischen Hochschulen, sondern auch den Wettbewerb der Schulen zulassen. Das erfordert Transparenz von Leistungen und Ergebnissen, aber eben auch ein deutschlandweit anerkanntes Zentralabitur wie die Anerkennung aller anderen Schulabschlüsse auch. Keiner kann mehr nachvollziehen, dass mit einer in Baden-Württemberg bestandenen Fachhochschulreife, Absolventen in Berliner Hochschulen nicht zugelassen werden, man im Ausland z.B. in England aber jederzeit studieren kann.
Wenn die Bundesregierung es mit ihrer Qualitätsoffensive in der Bildung ernst meint, muss sie diesen Hemmschuh unterschiedlich anerkannter Schulabschlüsse und Hochschulzulassungen gemeinsam mit den Ländern abstreifen. Und die Länder müssen dafür sorgen, dass die Schulen von zu viel bürokratischen Ballast befreit werden. Lehrpläne müssen entrümpelt und neue Ideen für einen besseren Unterricht und die Einstellung von Lehrern in den Schulen selbständig entschieden werden. Dann würde nicht nur ein echter Wettbewerb um das beste Bildungskonzept unabhängig von Ländergrenzen entstehen. Dann würden wir heute nichts über Unterrichtskürzungen aus den Länderparlamenten hören, sondern einen fächerübergreifenden Unterricht in den Naturwissenschaften diskutieren.