
Es muss alles seine Ordnung haben, besonders dann, wenn man 106 Jahre alt ist. Richard Ebert, der dieses biblische Alter am 08. Juni erreichte, erhob energisch Einspruch: "Ich bin nicht nur der älteste Bürger von Halle, sondern von ganz Sachsen-Anhalt." Cornelia Pieper besuchte am Mittwoch ihren ehemaligen Nachbarn aus der Beesener Straße im Seniorendomizil "Vogelnest" in Halle. "Cornelia - meine Cornelia" rief ein strahlender Richard Ebert.
Im vergangenen Jahr feierte der gebürtige Döllnitzer noch in seiner Wohnung in der Beesener Straße Geburtstag - ganz oben unterm Dach, 140 Stufen hoch, wo er über 75 Jahre zu Hause war. Da lebte er weitgehend eigenständig und ging Besuchern entgegen, nun sitzt er im Rollstuhl und hat ein Zimmer im Seniorendomizil. Und in der Beesener Straße lernten sich vor über 20 Jahren die heutige Bundestagsabgeordnete Cornelia Pieper und der damalige Geschäftsführer der Mitropa Halle kennen.

Viele Erinnerungen tauschte Cornelia Pieper mit ihrem ehemaligen Nachbarn Richard Ebert aus. Er damals wie heute mit viel Humor, Schlagfertigkeit und Charme. "Zu Deinem 100. haben wir noch ne flotte Sohle aufs Parkett gelegt", erinnerte sich Pieper. Auf die Frage ob er denn hier der einzige Mann wäre, um ihn herum saßen nur Frauen, sagte er schmunzelnd: "Ich bin hier der Hahn im Korb. Die meisten Frauen sind aber schon um die 90 Jahre alt, also zu betagt, um sich mit mir flott zu unterhalten. Da halte ich mich lieber an die jungen Schwestern."
Hinter dem Jubilar liegt ein bewegtes Leben. Er war Bäcker, Heizer auf einer Lok, Verkehrspolizist, Oberkellner und viele Jahre Geschäftsführer der Mitropa Halle - fünf Jahre über die Rente hinaus, weil er einfach gern arbeiten ging. Danach ging er auf Reisen, lernt die schönsten Städte Europas kennen und war schon damals immer der "Hahn im Korb". Seine letzte Reise machte er im übrigen mit 102 Jahren!
Zum Abschied versprach Cornelia Pieper wiederzukommmen - zum 107., 108., 109. und sicher auch zum 110. Geburtstag.