
Sie ist eine der starken Frauen im FDP-Vorstand unter Guido Westerwelle und forschungspolitische Sprecherin der Fraktion: Cornelia Pieper, 47. Im BUNTE-Interview überrascht sie als Vorkämpferin für die Emanzipation – des Mannes!
Frage: Wie weit ist die Emanzipation?
Für Frauen ist sie längst erreicht, aber es wird Zeit, dass es eine Bewegung zur Emanzipation des Mannes gibt und er sich von überholten Rollenklischees befreit. Zumal Emanzipation vom Ursprung des Wortes her eine Männersache ist.
Frage: Wie das?
Im römischen Recht bedeutete „emancipatio“, dass man ein Familienmitglied –
meist den Sohn – aus der elterlichen Obhut entlässt. Doch während die Frau sich ständig weiterentwickelt, heute alle Wesenszüge und Rollen in sich vereint, männliche und weibliche, und sich in allen Bereichen selbst verwirklichen kann, blieb der Mann auf seiner Entwicklungsstufe stehen. Als halbes Wesen. Eine These, die auch der renommierte Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter vertritt.
Frage: Gilt das für alle Männer, egal ob sie in West- oder Ostdeutschland leben?
Ich erlebe immer wieder, dass es für Männer in Ostdeutschland viel selbstverständlicher ist, dass eine Frau Kind und Karriere unter einen Hut bekommt und auch die Männer ihren Anteil an der Erziehung übernehmen. Hingegen sind die Vorbehalte von bayerischen Männern gegenüber emanzipierten Frauen weitaus größer – nicht nur in der Bundespolitik.
Frage: Wie kann man so einen Mann denn umerziehen?
Eher gar nicht! Das hätte schon in der frühen Kindheit passieren müssen. Deshalb tragen wir Frauen auch eine Mitverantwortung an der Unemanzipiertheit der Männer. Denn es waren in den letzten Generationen ja vornehmlich Frauen, die als Mütter, aber auch als Erzieherinnen in Kindergärten und Schulen die Machos von heute geformt haben.
Frage: Was schlagen Sie vor?
Bildung muss schon vor der Schule – im frühkindlichen Alter – beginnen. Dazu brauchen die Einrichtungen Geld und die frühkindliche Erziehung muss für alle Kinder Pflicht sein. Wir brauchen mehr männliche Erzieher, bisher sind es 15 Prozent in Grundschulen und fünf Prozent in Kindergärten. Man muss den Beruf der Erzieher gesellschaftlich und finanziell aufwerten. Sie sollten eine Fachhochschulausbildung absolvieren müssen. Wir sind neben Österreich das einzige Land in Europa ohne Studium für Erzieher.
Das komplette Interview können Sie in der BUNTE 9/2007 lesen