
Die Entgleisungen deutscher Soldaten in Afghanistan schockieren. Aber das ist nicht die Bundeswehr. Die riesengroße Mehrheit unserer Soldaten leistet vorbildlich ihren Dienst.
Dieser Dienst ist gefährlich. Von Afghanistan wissen wir das längst. Doch nun gab es auch Zwischenfälle vor Libanons Küste. Israelische Jets überflogen ein deutsches Kampfschiff. Es fielen Schüsse. Soll es uns etwa beruhigen, dass niemand getroffen wurde, weil nicht gezielt geschossen wurde? Das ist genau jene Art von Zwischenfall, vor dem die FDP stets gewarnt habe und von dem die Regierung immer behauptet hat: Das kann gar nicht passieren. Schwarz-Rot muss Gefahren realistisch sehen und darf jene nicht täuschen, die Soldaten in den Einsatz schicken. Das sind die Abgeordneten. Denen wurde von der Regierung nicht die ganze Wahrheit gesagt.
Jetzt ist herausgekommen: Unsere Marine darf nur auf hoher See frei operieren. In der Sechs-Meilen-Zone vor Libanons Küste braucht sie eine Genehmigung Libanons. Verdächtige Schiffe, die Waffen für die Hisbollah schmuggeln könnten, darf sie nicht allein betreten oder aufbringen. So haben es, unter deutscher Beteiligung, die Vereinten Nationen und der Libanon am 12. Oktober vereinbart, was bisher geheim gehalten wurde.
Angela Merkel hatte zuvor das Gegenteil gesagt. Die Frage nach einer Sechs-Meilen-Sperrzone könne sie „mit einem ganz klaren Nein beantworten“, sagte sie: „Wir können den gesamten Bereich befahren.“
Hier geht es nicht um technischen Kleinkram, sondern um die Aufgabe unserer Bundeswehr: Waffenschmuggel verhindern. Wer das will, muss verdächtige Schiffe verfolgen und kontrollieren können. Er braucht ein robustes Mandat.
Jetzt wissen wir: Das Mandat ist nicht robust. Wer zur Entwaffnung erst die libanesische Regierung um Erlaubnis bitten muss, die selbst seit Jahren eine Entwaffnung der Hisbollah unterlässt, der ist zahnlos. Mit Sperrzonen ist die Aufgabe für die Bundeswehr weder sinnvoll noch erfüllbar. Ein robustes Mandat war der Grund für die Zustimmung des Bundestags. Nun müssen wir feststellen: Schwarz-Rot hat alle getäuscht.