Die Fußballweltmeisterschaft hat unser Land in einen Freudentaumel gestürzt und dafür gebührt Klinsmann und seiner Mannschaft ein herzliches Dankeschön. Im Schatten dieser Euphorie hat die "große Koalition" versucht Politik für unser Land zu machen. Ich sage bewusst versucht, denn von den groß angekündigten Reformen ist nach wie vor nichts zu sehen. Nur wieder der Griff in die Taschen der Bürger. CDU und SPD haben die höchste Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Weg gebracht!
Die Bundesregierung legt zum fünften Mal und in voller Absicht einen stabilitätswidrigen Haushalt vor, obwohl - bei ohnehin steigenden Steuereinnahmen - die Lücke durch entschlossene Sparanstrengungen ohne weiteres zu schließen wäre. Dazu hat die FDP-Fraktion ein "
Sparbuch" vorgelegt. Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind, auch unbequeme Einsparungen zu verlangen und dafür Geradezustehen.
Trotz vollmundiger Sparversprechungen steigen die Bundesausgaben von 2006 bis 2009 weiter um 13,6 Milliarden Euro an. Von einem Sparhaushalt kann also keine Rede sein.
Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts hat die Bundesregierung völlig aus den Augen verloren. Selbst in den Folgejahren bis 2009 verharrt die mittelfristige Finanzplanung bei einer Neuverschuldung von mehr als 20 Milliarden Euro. Die Schuldenlast, die unsere Kinder und Enkel zu tragen haben, steigt kontinuierlich weiter.
Der Investitionsverfall findet in der mittelfristigen Finanzplanung seine Fortsetzung. Die Investitionsquote sinkt von 8,9 auf 8,5 Prozent im Jahre 2009. Ich erinnere daran: Im Jahre 1998 lag die Investitionsquote noch bei 12,5 Prozent. Daran sehen Sie, was die rot-grüne Regierung und jetzt die schwarz-rote Regierung getan bzw. unterlassen hat.
Die in vielen Gesetzen unter harmlosen Bezeichnungen verborgenen direkten und indirekten Steuern und Abgaben sind unsozial, wirtschaftsfeindlich und arbeitsplatzvernichtend. Die wirtschaftliche Entwicklung wird es in den nächsten Jahren beweisen. Die Gesetze heißen dann: Gesetz zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm, Haushaltsbegleitgesetz, Steueränderungsgesetz usw. Niemand, der diese Bezeichnungen hört, befürchtet, dahinter verberge sich Dramatisches. Ebendies ist aber der Fall.
Ich wette, dass die Abgeordneten der Koalition gar nicht mehr wissen, welche Mehrbelastungen Sie schon beschlossen haben oder dabei sind zu beschließen. Deswegen möchte ich das in Erinnerung zu rufen.
Die Verbraucher, insbesondere die Familien, werden belastet.
Erhöhung der Mehrwertsteuer: 12,36 Mrd. Euro; Erhöhung der Versicherungsteuer: knapp 2 Mrd. Euro; Abschaffung der Eigenheimzulage: 3,5 Mrd. Euro; Gewährung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nur noch für Kinder unter 25 Jahren; Reduzierung des Sparerfreibetrages: 750 Mio. Euro. Das Erziehungsgeld in Höhe von 1,9 Mrd. Euro wird abgeschafft, dafür mit 4 Mrd. Euro das Elterngeld eingeführt. Abschaffung des Sonderausgabenabzugs für Steuerberatungskosten: 600 Mio. Euro. Das ist besonders elegant: Einerseits verkompliziert man das Steuerrecht weiter, andererseits streicht man die Steuerabzugsfähigkeit von Beraterkosten. Hinzu kommt noch die Besteuerung von Kohle als Heizstoff: 33 Mio. Euro.
Für die Wirtschaft: Abschaffung der degressiven AfA für den Wohnungsbau: 150 Mio. Euro; Beschränkung der Verlustverrechnung bei Steuerstundungsmodellen: 2,135 Mrd. Euro; Verschärfung bei der Gewinnermittlung für Freiberufler: 500 Mio. Euro.
Für die Arbeitnehmer: Abschaffung des Freibetrages für Abfindungen: 450 Mio. Euro; Abschaffung des Freibetrages für Heirats- und Geburtsbeihilfen: 50 Mio. Euro; Abschaffung der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer: 300 Mio. Euro; Reichensteuer für gutverdienende Arbeitnehmer: 1,3 Mrd. Euro. Schließlich die Autofahrer, zusätzlich zu den Steuererhöhungen: Streichung der Entfernungspauschale: 2,53 Mrd. Euro; Besteuerung von Biokraftstoffen: 370 Mio. Euro; Verschärfung der Einprozentregelung für Dienstwagen: 255 Mio. Euro - wobei man auch noch bedenken muss, welches Chaos in den Vorschriften bei der Dienstwagenregelung besteht. Allein um das richtig zu machen, braucht man einen Steuerberater.
Der von der Großen Koalition angestrebte Gesundheitsfonds löst nicht die Struktur- und Finanzprobleme. Die Bürger zahlen einen sehr hohen Preis (0,5 % mehr Krankenversicherung), damit Union und SPD in der Gesundheitspolitik ihr Gesicht wahren können. Die Antwort der schwarz-roten Koalition auf die drängenden Probleme im Gesundheitssystem lautet: Kassensozialismus, Zuteilung der Finanzbudgets von Fonds Gnaden und Ausrichtung der Geschäftspolitik nach Vorgaben eines Dachverban-des. Wettbewerb sieht anders aus. Es ist gerade zwei Jahre her, da hatte die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt noch ganz andere Ziele. Neben langfristigen Wirkungen sollte vor allem der Anstieg der Krankenkassenbeiträge schnell gestoppt werden. Erklärtes Ziel war es, den Krankenkassenbeitrag von durchschnittlich 14,3 auf 13,6 Prozent zu drücken und somit die Versicherten und die Arbeitgeber entsprechend zu entlasten.
All das führt dazu, dass in den nächsten drei Jahren Kaufkraft in einem Volumen von 120 Mrd. Euro abgeschöpft wird und das wird zu einer entsprechenden Dämpfung, zu einer Schwächung des Wachstums und zu mehr Arbeitslosen führen. Damit werden sich die Löcher in den öffentlichen Haushalten weiter öffnen.