Berlin. Die FDP-Generalsekretärin CORNELIA PIEPER gab der Chemnitzer „Freien Presse“ (Montagausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte PETER KOARD.
Frage: Wie sicher sind Sie eigentlich noch in Ihrem Amt?
PIEPER: Ich fühle mich sehr wohl und mache meine Arbeit sehr gerne. Ich finde, es gibt keinen sachlichen Anlaß, irgend welche Zweifel zu äußern. In meiner Amtszeit hat die FDP bei 27 von 28 Wahlen zugelegt. Außerdem konnten wir uns endlich als gesamtdeutsche Partei etablieren. Das ist doch keine schlechte Bilanz.
Frage: Trotzdem gibt es eine Reihe von Rücktrittsforderungen.
PIEPER: Ich werde gerade für meine Grundüberzeugung in der Bildungspolitik weiter kämpfen. Das heißt: Wir brauchen mehr bundesweite Koordinierung statt mehr bürokratische Verwaltung kleinstaatlicher Bildungspolitik. Ich will diesen Kampf für eine bessere Bildung gewinnen. Die FDP war immer die deutsche Bildungspartei und als Generalsekretärin muß ich da vorangehen. Wer daraus eine Personaldebatte machen will, zeigt nur, daß er die Sachthemen scheut und wohl auch beim alten Stiefel bleiben möchte.
Frage: Wo sehen Sie die Ursache für die Vorwürfe gegen Sie als Generalsekretärin?
PIEPER: Ich kenne die Kritik an meiner Amtsführung nur aus den Medien. Direkt ins Gesicht hat mir noch keiner etwas gesagt. Ich vermute, daß ich einfach ein anderer Politikertyp bin, als man das in Hessen oder Schleswig-Holstein gewohnt ist. Und das ist auch gut so, denn Unterschiedlichkeit gehört zum Wesen der FDP. Wir müssen alle ansprechen, auch die endlich wieder erstarkten ostdeutschen Liberalen. Das ist mein Job, und dabei finde ich viel Unterstützung.
Frage: Wollen Sie damit sagen, daß ihre ostdeutsche Herkunft eine Rolle spielt?
PIEPER: Manchmal habe ich das Gefühl, wenn jemand aus dem Osten kommt und einen Vorschlag macht, daß dieser dann sehr schnell nach dem Motto abgetan wird, das haben wir doch noch nie so gemacht. Ich halte es aber insgesamt für wichtig, daß in der gesamtdeutschen Politik viel mehr Lebenserfahrungen aus dem Osten berücksichtigt werden. Es war unser großer Fehler, daß wir das nicht gleich nach der Wiedervereinigung getan haben. So gab es in der Bildungspolitik der DDR doch nicht nur Indoktrination und Gängelung, sondern auch Dinge, die einfach besser waren als im Westen. Das betrifft vor allem die vorschulische Bildung in den Kindergärten, wo die Erzieherinnen eine pädagogische Ausbildung besaßen. Es sollte mehr von den Erfahrungen des Ostens gelernt werden.
Frage: Haben Sie bei Ihrem Bildungsvorstoß die Unterstützung des Parteivorsitzenden?
PIEPER: Da sind wir im Detail heute unterschiedlicher Meinung. Aber er gibt mir absolute Rückendeckung, eine bildungspolitische Grundsatzdebatte zu führen.
Frage: Das heißt, Sie werden auf dem Parteitag im Mai von GUIDO WESTERWELLE zur Wiederwahl vorgeschlagen?
PIEPER: Bisher haben wir nichts anderes besprochen. Ich habe in den vergangenen vier Jahren viel gelernt, auch wie man um eine Sache kämpfen muß. Gerade jetzt habe ich ungeheuer viel Zustimmung erfahren, auch von Sympathisanten außerhalb der Partei.